Liebes Smartphone,

Du gehörst zweifelsohne zu den am meisten gestreichelten Individuen. Kaum jemand genießt so viel körperliche Nähe von mir wie Du. Denn meist trage ich Dich bei mir. Bist Du nicht da, werde ich unruhig. Hast Du länger nichts gesagt, überfällt mich ein mulmiges Gefühl. Ich sage solche Sachen wie „Ich liebe mein Telefon!“ Das ist in jedem Fall verrückt. Aber ich weiß nicht mehr, wie ich überhaupt je ohne Dich auskam.

Es ist Zeit, Dir zu danken.

Dank Dir kann ich meine Lieblingsfreundschaften pflegen. Denn in Chat-Gruppen treffe ich meine Freunde. Wir alle können selten miteinander telefonieren. Denn wir alle haben Kinder. Und kleine Kinder lassen einen nicht telefonieren. So schicken wir uns zig Fotos am Tag und können am Leben der anderen teilhaben.

Und überhaupt ist es so viel einfacher, schnell die Nachricht an die Mama von Louis rauszuhauen, ob er morgen mit meiner Tochter spielen will, als dort umständlich anzurufen. Denn dann müsste ich erst Smalltalk machen, die Hausaufgaben unserer Kinder durchsprechen und kompliziert zum Ende kommen. Mit Dir ist das in 30 Sekunden geklärt.

Dank Dir gibt es Fotos von mir, auf denen ich mir gefalle. Denn Selfies kann ich so häufig wiederholen, bis ich zufrieden bin. Dank Dir gibt es überhaupt Fotos von mir mit meinen Kindern. Denn jemand anderes fotografiert mich nicht. Oder zumindest sehr selten. Ich bin mir sicher, dass meine Kinder später fragen werden: „Mami, warst Du eigentlich je mit uns im Urlaub?“

Und weißt Du eigentlich, dass Du mir schon mal das Leben gerettet hast? Als meine Tochter zur Welt kam, verbrachte ich sehr viel Zeit mit Stillen. Mehrere Stunden am Tag saß ich irgendwo herum und konnte nicht sonderlich viel nebenher tun. Lesen? Dazu war ich zu müde. Fernsehen? Es gab schon ein größeres Kind. Telefonieren? Siehe oben. Mir war so unendlich langweilig! Doch dank Dir konnte ich mich im Internet herumtreiben. Das ging super. Mit einer Hand hatte ich Kontakt zur Außenwelt. Als meine erste Tochter zur Welt kam, gab es Dich noch nicht. Wie ich diese Zeit überstanden habe, ist mir heute schleierhaft.

Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass mir einmal ein Telefon meinen Alltag erleichtern würde, ich hätte ihn für bescheuert erklärt. Doch Du bist genau das: ein großer Alltagshelfer.

Du bist mein Navi, meine Wasserwaage, mein Wecker, meine Taschenlampe, mein MP3-Player, mein Kalender. Mit Dir kann ich abends im Liegen auf dem Sofa Weihnachtsgeschenke kaufen. Du erinnerst mich an den Kuchen, den ich für die Kita backen muss. Du sagst mir im Supermarkt, was ich am Wochenende kochen soll. Und Du verlangst im Gegenzug nicht allzu viel von mir – hin und wieder ein bisschen Strom. Du bist auch nicht beleidigt, wenn ich Dich verlege, stumm schalte oder ignoriere. Denn das tue ich häufig.

Du bist zwar wichtig, allerdings lange nicht so wichtig, wie meine Familie, wie meine Lieblingsmenschen. Und die brauchen manchmal meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Leider sagen manche Menschen schlimme Dinge über Dich. Sie sagen, Kinder würden hyperaktiv, wenn sie Dich zu früh in die Hand nehmen. Sie sagen, man vereinsamt. Denn sie meinen, durch Dich haben wir Menschen kaum noch echte zwischenmenschliche Kontakte. Sie sagen sogar, Du störst Herzschrittmacher. Papperlapapp sage ich. Ich rede sehr viel und sehr gern mit realen Menschen. Keins meiner Kinder ist dumm oder hyperaktiv. Hier sollte man Dich wirklich nicht überschätzen.

Ich bin einfach nur froh, dass ich Dich habe. Dafür #einfachmalsodanke

Autor_Rike_Johannsen


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