Wir sind eine Großfamilie und haben 5 Kinder (fast 7 Jahre, 5 Jahre, 4 Jahre, 4 Jahre und 2,5 Jahre). Unser Leben war bis Juni 2014 völlig normal (ist das schon so lange her? Puh …). Mein Mann verlor im Juni 2014 seine Arbeit auf Grund einer Schulterverletzung. Da ich auf gar kein Fall zum Amt gehen wollte, bin ich arbeiten gegangen. Ich trug nachts Zeitungen aus und tagsüber schaffte ich in einem Textil-Discounter. Im November sagte mir unser Arzt, als ich mit einem unserer Söhne da war, das ich einen Schritt vor einem kompletten Zusammenbruch stehe und kündigen soll. Es fiel mir unendlich schwer… Ich stellte den Antrag beim Amt und kündigte.

Wir wohnen in einer Wohnung von meinem Schwiegervater, darüber hinaus hat er uns ein Auto privat finanziert. Ende Februar rief er uns an, dass er Geld brauche und nächsten Tag das Auto abholen würde, damit er das verkaufen kann. Wir einigten uns auf 2 Wochen Schonfrist, bevor er es holt. 2 Tage nach dem Telefonat kam die fristlose Wohnungskündigung. Ich rannte von Pontius zu Pilatus. Caritas, Diakonie, Kirche, Jobcenter – keiner konnte uns wirklich helfen. Wir bekamen die Mietkündigung mit einem Anwalt in den Griff, und suchten wie wild nach einer Arbeit, einer Wohnung und einem Auto. Am Anfang alles ohne Erfolg. Wenn ich irgendwo anrief, wegen einem neuen Zuhause, wurde aufgelegt. Ich wurde gefragt, ob wir keinen Fernseher haben oder es war einfach zu klein.

Das Gleiche kam bei den Autos … Ich schrieb sogar einem Radiosender, ob sie einen Aufruf für uns machen würden, es kam eine Absage mit dem Satz, sie dürfen das nicht für Privatpersonen. Mein Mann fand im Juli einen Job, den er auch immer noch hat. Ihm macht die Arbeit Spaß und er hat einen netten Chef. Wir bekamen irgendwie eine Art Normalität wieder in unser Leben. Anfang November fanden wir dann endlich ein Auto, was für uns wie ein Wunder war. Der Verkäufer erklärte uns, er sei Mechaniker und hat bisher alles selbst bei dem Auto gemacht. Da wir gerne wissen wollten, was so alles nach und nach an Kosten auf uns zu kommt, gingen wir, als wir das Auto hatten, zur Inspektion. Da wurden wir auf den Boden der Realität zurück geholt. Das Auto sei ein wirtschaftlicher Totalschaden, es sind zwei Glühkerzen abgebrochen, dann verliert die Hinterachse Öl, es befindet sich ein Spanngurt im Motor und und und … für uns wie auch für unsere Kinder brach eine Welt zusammen.

Wir leben in einem Dorf, der Kindergarten wie die Schule der Kinder ist ein Ort weiter, was wir nun mit dem Bus erledigen. Es ist alles ein Scherbenhaufen. Das Einzige was wir noch haben ist unsere Liebe innerhalb der Familie, den Spaß meines Mannes an der Arbeit und die Hoffnung, dass irgendwie irgendwann alles gut wird … Unser Leben klingt wie ein schlechter Film, ist aber leider unser Leben. Unser Leben ist zwar übel, aber es gibt auch einfach Glücksmomente, die Kraft geben und uns weiter kämpfen lassen.